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SYSTEMISCHE FAMILIENAUFSTELLUNG

Familie, das kann etwas sehr schönes, aber auch etwas sehr kompliziertes sein. Wir sind alle einzigartig, wir haben alle unterschiedliche Perspektiven und wir alle erleben Lebensereignisse ein wenig anders. Wenn man die Familiendynamik in diese Mischung einbezieht, ist es nicht verwunderlich, dass die Beziehungen innerhalb einer Familie belastet sein können. Viele verschiedene Ereignisse und Umstände können das Zusammenleben in einer Familie stressig machen, von psychischen Problemen bis hin zu emotionalen Themen. Wenn Probleme, oder auch Störungen in einer Familie gelöst werden sollen, oder wenn sich Familien von alten, wenig hilfreichen Mustern lösen wollen, dann kann die Familientherapie dabei helfen.

Die Familientherapie, oder auch systemische Therapie genannt, soll Familienmitgliedern dabei helfen, sich selbst besser zu verstehen, negative Verhaltensweisen zu ändern und Konflikte zu lösen. Diese Art der Therapie ist für jedes Alter geeignet und kann für Einzelpersonen, Paare oder auch ganze Familien hilfreich sein.

WIE VERLÄUFT EINE SYSTEMISCHE AUFSTELLUNG?

Wie bei den meisten Therapieformen beginnt Ihre Reise in der Regel mit einem ersten Austausch, bzw. Kennenlernen. Danach erstellt der Therapeut mit mindestens einem Familienmitglied einen Stammbaum (Genogramm) über 3 Generationen. Diese Familiendaten werden auf ein großes Blatt Papier gezeichnet und dadurch sichtbar gemacht. Das hat den Vorteil, mehrere Generationen auf einmal in seiner Gesamtheit zu erfassen. Dies hilft dem Klienten besser zu verstehen, mit welchen Schicksalen und Schwierigkeiten die Herkunftsfamilien konfrontiert wurden und die Wiederholungen dadurch erkennbar werden. An dieser Stelle arbeitet der Therapeut die Verstrickung auf der mehrgenerationalen (transgenerationalen) Ebene heraus, erklärt die Zusammenhänge des Unbewussten Verhaltens des Klienten und bespricht die lösenden nächsten Therapieschritte. 

Diese können sein: eine Familienaufstellung Text auf der alten Homepage in der Gruppe oder in der Einzelarbeit, die Systemische Klopfakupressur, Walking-In-Your-Shoes (WIYS), die Emotionale Umkehr oder das Biologische Dekodieren. Die angewandten Therapieformen hängen auch von den Problemen der Klienten ab und derem Wunsch. Je nach Situation arbeiten Familientherapeuten mit Einzelpersonen, Paaren oder nur einer bestimmten Gruppe von Familienmitgliedern. Die Konstellation der Gruppe hängt immer von dem Problem ab, bei dem die Familie Unterstützung sucht.

In den Sitzungen selbst arbeitet die Familie meist mit einem Therapeuten oder je nach Größe der Gruppe und Schwierigkeit des Problems mit einem Team von Therapeuten zusammen. Der Therapeut wird es vermeiden, sich auf eine „Seite“ zu stellen oder eine bestimmte Person zu beschuldigen. Stattdessen versucht der Therapeut die Familie als Ganzes zu betrachten und mit Ihnen gemeinsam Wege zu erkunden, um voranzukommen. Denn das Ganze ist immer größer ist als die Summe der einzelnen Teile. Wichtig ist, dass jeder Teilnehmer jedem Gegenüber ausreichend Zeit zum Sprechen gibt.

Eine typische Sitzung beträgt ca. 50 bis 90 Minuten. Meist finden die Sitzungen wöchentlich statt, dies kann je nach Familie und Verfügbarkeit variieren. Die therapeutischen Methoden werden je nach Alter, Bedürfnissen und Vorlieben der Teilnehmer angepasst. So kann beispielsweise eine Sitzung, an denen Kinder teilnehmen, Zeichen- und Spielelemente oder Figuren (Figurenaufstellung) beinhalten, die das Symptom/Problem repräsentieren.

WO LIEGT DER URSPRUNG DER FAMILIENTHERAPIE?

Die systemische Therapie hat ihre Wurzeln in der Familientherapie, auch, wenn sie heutzutage keinen familiären Fokus mehr braucht, um als systemisch bezeichnet zu werden. Bei diesem therapeutischen Ansatz steht die Beziehung im Fokus: der Prozess der Interaktion zwischen Menschen und weniger die Beobachtung des isolierten Individuums.

Es war der österreichische Biologe und Philosoph Ludwig von Bertalanffy, der 1968 die Allgemeine Systemtheorie formulierte. Er definierte das Konzept des Systems als „ein Netzwerk von Elementen in Interaktion“. Später wandte er es auf den therapeutischen Rahmen an, bis es zum vorherrschenden Modell in der Erforschung von Familien und Beziehungen wurde. Die systemische Perspektive wird aber auch durch Beiträge aus anderen Disziplinen ergänzt. Diese beziehen sich hauptsächlich auf das theoretische Feld. Einige von ihnen sind Kybernetik, pragmatische Entwicklungen in der Kommunikation und Familienpsychotherapie. Diese Integration von Perspektiven ermöglicht es, ein breites Anwendungsspektrum zu entwickeln, das von Einzel- bis Gruppenbehandlungen, Paaren und bis zu Familien hin reicht. Bert Hellinger (1925 geboren) ist bis heute der Urvater, der die Systemischen Aufstellungen und deren „Ordnungen“ in Deutschland vorangebracht und erforscht hat! Er lebt und arbeitet mit seiner Frau Sophie in Berchtesgaden.

WAS GENAU IST EINE FAMILIENTHERAPIE?

Eine Familientherapie bietet Familien die Möglichkeit, ihre Gefühle in einer sicheren, unvoreingenommenen Umgebung auszudrücken und zu erforschen. Sie befasst sich mit den Problemen, mit denen Menschen im Zusammenhang mit ihrer Lebensweise konfrontiert werden, wie Beziehungen zu Menschen in ihrem Leben oder auch ihren sozialen Netzwerken. Bei der systemischen Therapie handelt sich um einen anerkannten psychotherapeutischen Ansatz, der in erster Linie auf das Familiensystem als soziale Einheit abzielt. In Zusammenarbeit mit einem Therapeuten können Familien ihre Schwierigkeiten und Unterschiede, die ihren Beziehungen belasten, diskutieren. Die Familientherapie verfolgt den Ansatz die Kommunikation zwischen den einzelnen Familienmitgliedern zu verbessern und einen gemeinsamen Weg nach vorne zu finden. Dieser Ansatz fokussiert stets ein integratives und rücksichtsvolles miteinander und gegenüber jedem Familienmitglied. Jegliches Gefühl von „Aufeinandertreffen“ wird dabei vermieden, denn es geht bei dieser Art der Psychotherapie darum, die Stärken des Einzelnen zu erkennen und in den Sitzungen auf diesen aufzubauen. Unterschiedliche Kommunikationsstile und dadurch hervorgerufene Kommunikationsprobleme sind dabei oft der Ursprung von Beziehungs- und Familienproblemen.

Bei einer Familientherapeuten wird nicht nur mit der ganzen Familie gearbeitet. Es gibt auch die Möglichkeit nur mit bestimmten Familienmitgliedern, den Kindern und Erwachsenen einzeln oder mit Paaren zu arbeiten. Es können unterschiedliche Gruppen und Gemeinschaften zusammenarbeiten, denn schließlich kann der Begriff Familie viele unterschiedlich Arten von Beziehungen umfassen. Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff Familie eine Gruppe von Menschen, die sich umeinander kümmern und sich gegenseitig „Familie“ nennen. Somit ist ein Verwandtschaftsverhältnis nicht zwingend, um sie als Familie bezeichnen zu können.

WOBEI KANN EINE FAMILIENTHERAPIE HELFEN?

Eine Systemische Familienaufstellung kann bei einer Reihe von Schwierigkeiten helfen. Angefangen bei Beziehungsschwierigkeiten bis hin zum Umgang mit Traumata und psychischen Erkrankungen. In einer Familienaufstellung kann deutlich werden, dass wir häufig aus einer blinden Liebe heraus mit einem Familienmitglied und deren Schicksal unbewusst verstrickt sind. Die Verstrickungen dominieren, fesseln und bestimmen uns und unser Handeln in hohem Maße und führen oftmals zum Scheitern unserer Beziehungen in vielen Lebensbereichen. Durch das Lösen der Verstrickungen mit diesen Schicksalen oder Ereignissen bekommen wir den richtigen“ Platz“ in unserem Leben hin auf mehr Gesundheit, Erfolg und Lebensfreude.

Die Familientherapie kann bei einer Reihe von Schwierigkeiten helfen. Angefangen bei Beziehungsschwierigkeiten bis hin zum Umgang mit Traumata und psychischen Erkrankungen. Einige Beispiele dafür, wann eine Familientherapie hilfreich sein kann, werden im Folgenden aufgelistet:

  • Wenn eine Familie oder ein Paar ihre Beziehung verbessern möchte.

  • Wenn ein Familienmitglied mit Sucht zu kämpfen hat.

  • Wenn ein Familienmitglied mit einer psychischen Erkrankung lebt.

  • Wenn ein Familienmitglied mit einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit lebt.

  • Wenn Eltern/Vormunde sich Sorgen um das Verhalten zu ihrem Kind machen.

  • Wenn sich Eltern/Vormunde trennen und die Auswirkungen die Familie belasten.

  • Wenn eine Familie mit Verlust oder Trauma zurechtkommen muss.

  • Wenn Familienmitglieder eine Lebensänderung durchmachen, wie z.B. Umzug, Schulwechsel, Heirat etc.

Wenn wir selbst etwas Schwieriges durchmachen, kann es ganz oft passieren, dass wir vergessen, das auch andere Menschen davon betroffen sind. Mit der Familientherapie kann dieser Konflikt aufgegriffen und gelöst werden, indem den Familienmitgliedern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Anliegen auszudrücken und in einer kontrollierten Umgebung miteinander zu kommunizieren. Durch die Anwesenheit des Familientherapeuten, welcher die unterschiedlichen Aussagen reflektiert und weiter untersucht, können diese dann oft besser verstanden und optimaler Weise gelöst werden. Sich aktiv und aufmerksam Zeit zum Reden und Zuhören zu nehmen, ist bei den alltäglichen Ereignissen des Familienlebens oft schwierig. Eine Familientherapie-Sitzungen gibt den nötigen Raum, um genau das zu tun.

WAS IST, WENN EIN FAMILIENMITGLIED NICHT TEILNEHMEN MÖCHTE?

Für einige Familienmitglieder fühlt sich die Idee der Familientherapie etwas beängstigend an oder aber die Eltern sind getrennt und nur ein Elternteil ist bereit, auf die Probleme zu „schauen“. Dann arbeitet man mit Diesem. Handelt es sich um Kinder, sie tragen meist die ungelösten Themen der Eltern, so arbeitet man zunächst auch mit einem der Elternteile. Mögliche Symptome von Kindern können sein: Lernstörungen aller Art, AD(H)S, ADS, andere Verhaltensauffälligkeiten wie. z.B. mangelnde Konzentration, Ängste, Waschzwang, Tics, Nägelkauen, Bettnässen, Einkoten, auch körperliche Symptome wie Bauchschmerzen, Migräne, anhaltende Übelkeit uvm. Der Familientherapeuten kann in diesem Gespräch die Therapie und Methoden erklären und Fragen beantworten, die das Familienmitglied vor Beginn der Therapie hat.